Der Festivalfilm: Ein Blick hinter die Stimmen
Seit sechs Jahren begleitet Jonas Riedel das Black Forest Voices Festival (BFV) mit der Kamera und fängt die besondere Atmosphäre jedes Jahr neu ein. Das Gespräch mit ihm führte Sara Kanarski, selbst seit vier Jahren als Volunteer, als Teilnehmende oder als Jonas' Festivalfilm-Assistentin bei BFV aktiv. Alle Filme sind unter blackforestvoices.com/ Rückblicke zu finden.
Jonas, welche Bilder gehören für dich jedes Jahr unbedingt dazu?
Ein wiederkehrendes Motiv ist der Schwenk vom Himmel auf die Talvogtei – das gehört seit dem ersten Film fest dazu. Auch das Wasser auf dem Festivalgelände spielt immer wieder eine Rolle, weil es nicht nur Abkühlung, sondern auch ein wichtiger Begegnungsort ist. Dazu kommen zentrale Orte wie der Bürgersaal, die Kirche oder die Festivalwiese. Diese Bilder bilden für mich so etwas wie das visuelle Grundgerüst des Festivals.
Gleichzeitig willst du jedes Jahr etwas Neues erzählen?
Ja, ich versuche, das Festival immer wieder aus einer anderen Perspektive zu sehen. Die Grundelemente bleiben, aber die Stimmung und die Schwerpunkte verändern sich jedes Jahr. Genau das macht es spannend: immer wieder neu hinzuschauen und trotzdem vertraute Orte neu zu entdecken.
Wie bereitest du dich auf die Drehtage vor?
Ich arbeite mit dem Festivalzeitplan und plane Workshops, Konzerte und Interviews im Voraus. Gleichzeitig lasse ich bewusst Raum für spontane Momente. Wichtig ist, dass ich während des gesamten Festivals präsent bin und mit den Menschen in Kontakt komme – daraus entstehen oft die stärksten Szenen.
Gibt es eine Szene, die dir besonders in Erinnerung geblieben ist?
Ein sehr prägendes Beispiel war ein spontanes Interview mit Lukas Teske, das wir direkt in einem Bach gemacht haben. Ich stand dabei im Wasser, während das Gespräch lief – das war natürlich ungewöhnlich, aber auch sehr lebendig. Solche Momente entstehen nicht planbar und bleiben deshalb besonders hängen.
Wie entsteht die filmische Mischung aus Dokumentation und Inszenierung?
Früher habe ich rein dokumentarisch gearbeitet. Inzwischen kommen auch bewusst inszenierte Szenen dazu. Sie helfen, die Atmosphäre zu verdichten und bestimmte Stimmungen stärker herauszuarbeiten. Für mich ergänzen sie die beobachtenden Momente und machen den Film vielschichtiger.
Der letzte Film wirkt wie eine audiovisuelle Collage. Was war die Idee dahinter?
Der Film besteht ausschließlich aus echten Festivalklängen. Ich wollte die Improvisation und Spontanität stärker betonen, die das Festival prägen. Besonders die musikalischen Momente mit Fama M’Boup und The Real Group sind für mich Highlights, weil dort viel spontan entstanden ist.
Was bedeutet das Festival für dich persönlich?
Mich beeindruckt jedes Jahr, wie viel Kreativität und Offenheit in Kirchzarten zusammenkommt. Es entstehen in kurzer Zeit sehr intensive Momente. Und am schönsten ist es, nicht nur zu dokumentieren, sondern selbst Teil des Festivals zu sein.