„Männerchöre sind ein Schutzraum für Männer"

in Gespräch mit Luis Mosebach (28), 2. Vorstand und 2. Bass im Männergesangverein Edelweiss Buchenbach e. V.

Viele Männerchöre kämpfen heute mit Nachwuchsproblemen und einem angestaubten Image. Luis Mosebach sieht das anders – und erklärt, warum der Männerchor für ihn zu einem der wichtigsten Orte in seinem Leben geworden ist.

Luis, wie bist du überhaupt zum Männerchor gekommen?
In der Schule habe ich im Chor gesungen, meine Mutter war im Kirchenchor, ganz fremd war mir das also nicht. Dann war lange Pause. Zum Männerchor in Buchenbach hat mich der Vater eines Freundes überredet. Anfangs habe ich eher Witze darüber gemacht und gedacht: „Was will ich da? Nur ältere Leute.“ Dann bin ich einfach hingegangen – und wurde komplett eines Besseren belehrt.

Inwiefern?
Ich wurde aufgenommen wie selten irgendwo: herzlich und ohne Vorbehalte gegenüber mir als jungem Kerl. So eine Offenheit hatte ich noch nie in einer Gruppe erlebt. Heute sage ich: Das ist eines der besten Dinge, die mir je passiert sind.

Und was macht für dich den besonderen Reiz eines Männerchors aus?
Die Gemeinschaft. Es sind Kameraden – ein altmodisches Wort, aber es passt: Freunde, mit denen man einen Weg geht. Und: Diese Gruppe ist extrem vorurteilsfrei. Man erwartet das auf dem Dorf vielleicht nicht – aber ich habe selten so offene Gespräche erlebt. Und musikalisch: Der Klang von Männerstimmen ist etwas Eigenes. Die Bandbreite ist groß – von Gregorianik und Volkslied bis zu Gospel, Jazz oder Pop. Wir singen in Buchenbach all das – dieses Klischee vom Volksmusik-Chor stimmt einfach nicht. Außerdem: Es entschleunigt. Beim Singen bist du bei dir – Atmung, Stimme, Konzentration haben fast etwas Meditatives. Andere gehen zum Yoga, ich sage: Geh zur Chorprobe!

Du hast einmal gesagt: „Männerchöre sind ein Schutzraum für Männer.“ Was meinst du damit?
In einer schnellen, oft auch unruhigen Zeit ist das ein Raum, in dem man sich verstanden fühlt. Es geht dabei gar nicht um Abgrenzung, sondern um Gemeinsamkeit: Menschen, die ähnliche Erfahrungen und Lebenswege teilen, kommen zusammen. Das schafft Vertrauen, und manches lässt sich einfacher ansprechen, ohne viel erklären zu müssen. Im Grunde ist das vergleichbar mit anderen festen Gruppen – ob Landfrauen, Freundeskreis oder „Mädelsabend“: Es geht um Verlässlichkeit und gemeinsames Erleben.

Und wie wichtig ist die Gemeinschaft für euren Chor?
Sie ist das Fundament. Ohne sie hätte das Ganze keine Seele. Diese Verbindung spürt auch das Publikum – und sie führt zu besseren musikalischen Ergebnissen. Ich glaube, genau das macht unsere Konzerte besonders.

Warum haben Männerchöre heute so große Nachwuchsprobleme?
Die Auswahl an Freizeitangeboten ist riesig – gerade online. Das betrifft aber viele Vereine. Und wir haben lange verpasst, sichtbar zu sein. Jazz- und Popchöre sind medial präsenter, viele traditionelle Chöre dagegen noch im „Generationenschlaf".

Also auch ein Imageproblem?
Ja, tatsächlich. Und ein Übergangsproblem: Es gibt tolle und große Schulchöre – gerade hier im Dreisamtal –, aber danach fehlt der Anschluss zu den alten Chören, auch weil wir nicht präsent genug sind.

Ihr seid 25 aktive Sänger – kommen neue dazu?
Wir versuchen das, indem wir die Leute persönlich ansprechen – und oft auch mehrfach. Das ist tatsächlich unsere wichtigste Strategie. Trotzdem haben wir große Nachwuchsprobleme. Viele haben eine Hemmschwelle und sagen sofort: „Ich kann nicht singen.“ Diese Standardausrede hören wir sehr oft. Projektformate können helfen, diese Hürde etwas zu senken, aber insgesamt bleibt es schwierig. Wir sprechen übrigens nicht nur Jüngere an, sondern auch Ältere, zum Beispiel frischgebackene Senioren – aber auch da braucht es Geduld und Dranbleiben.

Und wie siehst du die Zukunft der Männerchöre?
Ich glaube, sie haben eine – aber nicht mehr wie vor 100 Jahren. Es wird mehr Zusammenarbeit brauchen: Zusammenschlüsse, neue Projekte, gemeinsame Ressourcen, modernere Präsenz. Aber die Idee bleibt. Und ich will die nächsten 20, 30 Jahre auf jeden Fall dabeibleiben – auch in der Vereinsarbeit.

Vielen Dank!